Literatur zum Hören - Lesung mit Lilli Polansky: Gratulieren müsst ihr mir nicht

Shownotes

Ein ergreifender Debütroman voller Humor über eine junge Frau, die, während sie gerade erst ins Leben findet, dem Tod ins Auge blicken muss. Und die sich härter und früher als die meisten Menschen mit der Frage konfrontiert sieht, was am Ende wirklich zählt.

Lilli Polansky

Könnte mit ihrem Namen auch leicht Schauspielerin oder EU-Kommissarin werden, doch sie entschied sich ausgerechnet dafür, einen Roman zu schreiben. Nun muss sie beinahe täglich die Frage verneinen, ob sie unter einem Pseudonym oder ihrem Spitznamen veröffentlicht. 2001 in Wien geboren, lebt und studiert sie dort heute. Für Gratulieren müsst ihr mir nicht wurde sie 2025 mit dem Rauriser Literaturpreis ausgezeichnet.

Audio-Aufzeichnung eines Literaturabends in der Stadtbibliothek Dornbirn am 06.11.2025

Aktuelles Veranstaltungsprogramm der Stadtbibliothek Dornbirn: https://stadtbibliothek.dornbirn.at/veranstaltungen

Transkript anzeigen

00:00:00: Ich würde einfach ein paar Stellen vorlesen und vielleicht manchmal etwas zum Kontext dazusagen, damit man sich ein bisschen orientieren kann.

00:00:11: Weil es vielleicht sonst mal ein bisschen verwirrend ist gibt mich auch ein paar Rückblenden und so Spiele mit Gegenwart und Vergangenheit und das finde ich immer ganz gut wenn man ein bisschen was dazu sagt.

00:00:22: Und was ich auch noch kurz sagen wollte, ich bin total glücklich dass ich heute hier sein darf.

00:00:27: und als ich hier lesen darf, das ist durch meine dritte Voralberglesung dieses Jahr.

00:00:31: Und ich hatte irgendwie nicht gedacht, dass es mich so weit weg verschlägt, weil aus Wien fährt man dann doch ein Stückchen... Ich freue mich sehr!

00:00:46: Vier Monate nach meinem zwanzigsten Geburtstag bekam ich einen Herzschrittmacher eingesetzt.

00:00:53: Der neunzehnte April war ein warmer sonniger Tag den ich lieber nicht in einem Krankenhauszimmer verbracht hätte.

00:01:00: Während wir mit dem Aufzug auf die Station fuhren, klärte mich eine Schwester-Schroff über all die Dinge auf, die man mit einem Herzschrittmacher nicht machen durfte.

00:01:09: Eine Mikrowelle benutzen!

00:01:12: Sich mit einer Körperfettwaage wiegen Mit einem Induktionsherd kochen sich neben eines Stromleitungsstellen Mit einem Metalldetektor hantieren Mehrere Minuten in der Diebstahlschranke eines Geschäftes verweilen Das klingt ja alles gar nicht so schlimm Dachte ich, erleichtert dass ich meine Bluthof-Kopfhörer weiterhin benutzen durfte und auch zu meinem iPhone keine Sicherheitsabstand von fünfzehn Zentimetern einhalten musste was Google auf meiner Frage war es darf mit Herzschrittmacher nicht machen als obersten Treffer ausgespuckt hatte.

00:01:51: So das Sammer erklärt ihr die Schwester als wir am Ende des Ganges angekommen waren und vor einer dunkelblauen Zimmertür standen.

00:01:59: Sie haben eine Zimmernachbarin im Namen Ingrid.

00:02:03: Schau uns halt, wie es zurechtkommt miteinander.

00:02:05: Sie hustet ziemlich stark!

00:02:07: Hat bis jetzt alle Mitpatientinnen verscheucht?

00:02:10: Ich wünsche Ihnen Glück!

00:02:12: Heute Abend kommt der Anästhesist um die Narkose zu besprechen.

00:02:18: Ich nickte und wollte schon die Zimmertür aufstoßen als sie sagte aber schwanger ist ans eh nicht oder?

00:02:25: ich schüttelte den Kopf.

00:02:34: Na sie sind ja ein zartes Mausall sagt eine tiefe Stimme.

00:02:38: da werde ich ja nur ganz wenig Narkosemittel brauchen sonst sterben's mal weg.

00:02:43: Der Anesthesist zwingerte.

00:02:45: Er war ein hagerer Mann, der sich sichtlich freute eine zarte Patientin zu haben.

00:02:51: Ich sagte ihm dass ich das Baby einmal an die Überdosis einer Großemittel erhalten und drei Tage durchgeschlafen hatte.

00:02:57: Meine Eltern dachten, ich wäre tot.

00:03:00: Er lachte und winkte ab.

00:03:02: Da entschloss er die Finger in meine Handgelenke Und murmelte so zart wie Fliegenbeine.

00:03:08: Was ich darauf erwidern sollte wusste ich nicht.

00:03:15: Ich solle schauen, dass ich genug Schlaf bekäme.

00:03:18: Mit einem Seitenblick auf die schnachende Ingrid flüsterte er – ich lass ihn Europax dar!

00:03:23: Ich bedankte mich und er ging.

00:03:28: Es war mein letzter Tag ohne Herzschrittmacher.

00:03:32: Es waren der Tag an dem es genau vierzehn Tage her war das sich mein Ex-Freund mit einer WhatsApp Nachricht von mir getrennt hatte.

00:03:41: Das gute daran mit zwanzig einen Herzschrittmacher eingesetzt zu bekommen….

00:03:46: Der Herzschrittmacher lässt das Herz auf der passenden Frequenz schlagen und verhindert, dass man einen Herzstillstand erleidet.

00:03:54: Das schlechter daran mit zwanzig allen Herzschrittmacher eingesetzt zu bekommen?

00:04:20: Sechs Wochen nach der Operation sitzen meine Mutter und ich erneut im Wartezimmer meiner Kaliologen.

00:04:26: Und ich starre erneute auf die Abbildung des Herzens an der Wand, betrachte das Organe und die Beschriftung.

00:04:32: Rechter Vorhof, rechte Herzkammer, Hauptschlagade.

00:04:36: Linke Vorhof linke Herzkamme, Herzmuskel.

00:04:40: Auf dem Tisch vor mir liegt eine Broschüre Die knalligen farben brennenden Augen wenn man so lange hinsieht.

00:04:47: Das Tiedelbild zeigt einen Mann mit der Graut im Haar, der auf einer Schaukel in den Luft schwebt.

00:04:52: Zwischen seinen Beinen sitzt er Enkelsohn, strahlt ihn an und auch der Mann strahelt sie so glücklich und umgeschwert in die Kamera dass ich wegschauen muss.

00:05:02: Ein Schritt in Richtung Freiheit!

00:05:04: Unser Herz-Schrittmacher ist ja nicht nur Leben sondern auch Lebensqualität damit Sie auch am fortgeschrittenen Alter die kostbaren Momente genießen können.

00:05:14: das Pflaster auf meinem Schlüssel beinjuckt.

00:05:18: Ich werde in den Blick ab und bemühe mich meiner Mutter zuzuleicheln, die neben mir sitzt.

00:05:23: Das Lächeln misslinkt fühlt sich unecht und falsch an.

00:05:26: Es rutschte man Gesicht herab wie Regentropfen bei einer Fensterscheibe.

00:05:31: ich weiß nicht ob sie es bemerkt.

00:05:36: Und?

00:05:36: Wie geht's?

00:05:37: fragt die Kaliologin als ich wenig später auf dem kalten Untersuchungsstuhl sitze.

00:05:42: Sie mußtet mich zu gleich erwartungsvoll und skeptisch, als wäre ich eine seltene Salamander-Spezies die man es um Regenwald hat einfliegen lassen.

00:05:52: Ganz gut!

00:05:53: Besser ist.

00:05:54: das letzte Mal, als ich hier war versuche ich es mit einem Scherz.

00:05:58: Die Mena der Ärztin bleibt nach wie vor ernst und hart.

00:06:01: sie schaut mich wie durch einen Vergrößerungsklass an fragte in einem kühlen Ton wie letzten Wochen verlaufen sein ob ich mich müde gefühlt wie ich geschlafen habe Wie oft ich die schmerzmittel genommen habe Und ob ich den linken Arm noch bewegen kann.

00:06:14: Ich sage, dass die Müdigkeit weg sei aber das ich nachts oft wachliege und nicht einschlafen könne weil es in meiner Brust poche und pocher.

00:06:23: Mit monotoner Stimme sagt sie Na ja wahrscheinlich muss man die Frequenz hin unterschalten und den Schrittmacher umprogrammieren.

00:06:30: Sie zuckt mit den Schultern.

00:06:33: Ich sage, dass ich den linken Arm sechs Wochen lang nicht über meine Schulter gehoben habe.

00:06:37: Dass sich Schmerzen vom Dreieckszug habe, das ich nachtstrage.

00:06:41: Dass ich der Arm Taub anfühle und wie ein nutzloses Anhängsel an mir herunter hänge.

00:06:47: Sie tippt auf die Tastatur herum, wirft meiner Mutter einen prüfenden Blick zu, fragt ob sie mir beim Anziehen und Waschen und Haarecamming geholfen haben.

00:06:55: Und meine Mutter sagt ja!

00:06:56: Sie hat bei mir angefangen, als die Schmerze so groß war noch geholpen.

00:06:59: Später hätte ich meine eigenen Strategien entwickelt und sei unabhängiger geworden.

00:07:05: Trotzdem habe sie mich nie aus den Augen gelassen, man wisse ja nie!

00:07:10: Ich sitze etwas verloren auf der Untersuchungsliege und höre meiner Mutter und meine Kardiologin über meinen Kopf hinwegreden.

00:07:16: Fast klingt es als würde meine Mutter mich loben.

00:07:20: Sie kann sich jetzt schon ganz alleine anziehen.

00:07:23: Letzte Woche hat sie es geschafft sich mit einer Hand einem Pferdeschwanz zu binden.

00:07:27: Ja, sie hatte einige Versuche gebraucht aber immerhin... Soll ich jetzt noch meine Wasserflasche auspacken?

00:07:35: Dann kann sie auch noch damit angeben, wie gut ich alleine trinken kann.

00:07:40: Die Cardiologin sagt vermutlich braucht es eine Massage, damit sich die verspannten Muskeln lösen.

00:07:46: Ich lege mich auf den Rücken und sie klebt die EKG-Elektronen auf.

00:07:49: Wartet!

00:07:50: Statt gespannt auf dem Bildschirm sagt nichts.

00:07:53: Betrachtet die Grafik, die steigt und sinkt Genau wie mein Brustkorb sich hebt und senkt Während sich in meiner Magen gegen dieses mulmige Gefühl breit macht.

00:08:02: In meinem Kopf beginnt es zu rattern.

00:08:04: Ich schlucke die aufkommende Säure in meine Mund hinunter, warte und warte.

00:08:08: Zwinge mich

00:08:09: weiterzuatmen.".

00:08:12: Da stimmt etwas nicht!

00:08:14: So etwas habe ich noch nie erlebt – der Herzschrittmacher hat nichts verändert….

00:08:18: Der Herzschlag ist immer noch zu langsam.

00:08:21: Innerlich wappne ich mich für diesen Satz, der schon regelrecht in meinen Ohren dröhnt und dessen Wucht mich trifft wie ein Schlag in die Magengrube.

00:08:29: Ich sehe den Schock im Gesicht meiner Mutter, die ratlose Miene meiner Kardiologin und die fassungslosen Gesichtsausdrücke all jener Ärzte und Ärztinnen, die eine Zweitmeinung abgeben sollten.

00:08:40: Sie wissen nicht wieso?

00:08:41: Es gibt keine Erklärungen!

00:08:42: Hör ich mich meinen Freundinnen sagen, während sie mir unverständliche oder mitleidige oder tief traurige Blicke zuwerfen.

00:08:50: Ich spüre den Schok, ich spüre meine eigene Fassungslusigkeit, meine Trauer und die Scham.

00:08:57: Jeder Muskel meines Körpers ist

00:08:59: angespannt.".

00:09:00: Das IKG piepst.

00:09:01: Die Kardiologin sieht auf, sie lächelt.

00:09:06: Alles in bester Ordnung.

00:09:07: die Frequenz ist ausgezeichnet.

00:09:09: der Schrittmacher leistet gute Arbeit.

00:09:11: ganz wunderbar!

00:09:13: Ich blinsle der böse Traumlustigen Luft auf.

00:09:16: das Dejubil verschwindet.

00:09:19: Der Schrittmachler leistetsgute Arbeit.

00:09:22: Die Kardiologien entfernt die Elektronen und verkündet jetzt weil ich das Pflaster entfernen und die Fäden ziehen So, als gebe es bald Torte und danach Geschenke.

00:09:34: Die Wunde liegt frei auf meiner Haut.

00:09:36: Sie atmet die Luft ein Und sie zum ersten Mal die Welt ohne ihre Schutzdecke.

00:09:42: Das Pflaster legt einsam im Mülleimer.

00:09:44: Es gibt noch immer nicht Kruste daran.

00:09:47: Ich betrachte die Wölbung Untersuche den Schnitt, die abgehalte Kruste Den leichten Bluterguss herunterum.

00:09:54: ich sehe ja nicht hin dass die Fäden gezogen werden Knall für die Augen zusammen wirben Kerzen ausblasen Atme scharf ein also sticht Puste die Luft wieder aus und wünsche mir was.

00:10:06: Niemand singt Happy Birthday, niemand klatscht!

00:10:10: Dafür sagt die Ärztin das der Kollege sehr gute Arbeit geleistet habe Die Narbe sei wunderschön geworden, gut verhalten Der Schrittmacher gut eingewachsen.

00:10:20: Happy birthday Schritti.

00:10:22: Hoch sollst du leben.

00:10:25: Wir machen ein bisschen einen Sprung Und zwar wird der Herzschrittmacher eingesetzt aufgrund einer sehr drückenden Müdigkeit die auch schon in recht jungen Jahren eine recht große Rolle spielen.

00:10:39: Da wurden dann unterschiedliche Untersuchungen durchgeführt und man ist eigentlich nie wirklich zu einer Diagnose gekommen, eben erst viel später.

00:10:51: Und da würde ich jetzt noch eine kurze Stelle vorlesen.

00:10:56: Als ich vierzehn war wurde bei mir ein eklatanter Eisenmangel diagnostiziert der so stark war dass mein Hausarzt mir sogar verbot schwimmen zu gehen.

00:11:05: Er hätte Angst, dass ich absaufen würde.

00:11:08: Mein Blutbild sei so gottenschlecht wie das eines achtzigjährigen Mannes mit Leberzehose im Endstadium.

00:11:15: Ich nahm seine Worte relativ gelassen hin und schluckte brav die pinken Eisentabletten, die er mir verschrieben hatte.

00:11:22: Meine Mutter war schockiert Sie lasse unterschiedlichsten Artikel im Internet, kaufte auch eine öpathische Globulia aus der Apotheke Und mixe sie mir Säfte, die bei der Befüllung meiner Eisenrezeptoren helfen sollten.

00:11:35: Ich schlugte die Eisentabletten monatelang ohne erkennbare Besserung.

00:11:40: Als mir das nächste Mal Blut abgenommen wurde, entdeckte man dass ich nicht nur einen Eisenmangel hatte sondern auch zu wenig Blut im Körper.

00:11:47: Ich bekam eine Überweisung zum Gynäkologen denn bei jungen Mädchen könne das nur an der Periode liegen.

00:11:56: Da lag ich dann auf dem kalten Gynänokologenstuhl.

00:11:59: Der Gynädekologe hat verschwitzt Hände und eine so kleine Brille nannte mich Junges Bubball Fragte, ob ich denn noch Jungfrau sei und erklärte, dass er jetzt einen Ultraschall meiner Gebärmutter machen würde.

00:12:12: Ich war erleichtert!

00:12:13: Denn ich hatte befürchtet, daß er eines seiner Mördegeräte in mich hineinstecken würde die neben dem Behandlungsstuhl hängen Und fragte er beiläufig während er meinen Bauch mit kalten Gel beschmierte, freuen sie sich schon auf das erste Mal?

00:12:27: Sex ist etwas ganz Wundervolles aber bitte immer brav das Kondom verwenden sonst passiert ein Hopperler.

00:12:33: Er lachte und presste das Ultraschallgerät noch tief an meine Eingeweide.

00:12:38: Oh, so schöne Eierstöcke!

00:12:40: Ein

00:12:40: Wahnsinn!"

00:12:41: sagte er dann.

00:12:43: Im Anschluss in seiner Untersuchung erklärte er meiner Mutter und mir, dass ich eine Züste hätte, die mit Blut gefüllt sei.

00:12:50: Das sei nichts Tragisches – so etwas passiert er endauernd.

00:12:54: Sie werde sich höchstwahrscheinlich von selbst auflösen und zerplatzen.

00:12:58: Da wird das Blut nur so rinnen... sagte er mit einem Grinsen und ich dachte, dass Gynäkologe bei ihm eine grobe Berufsverfehlung war.

00:13:06: Er hätte Horrorfilme produzieren sollen!

00:13:10: Die Züsteplatzwürmer in der nächsten Regelblutung des Bluts ran und nach drei Tagen war Schluss.

00:13:15: Der Gynänologe hatte mithilfe der Ultraschallbilder meiner äußerst schönen Eierstöcke an die mathematische Hochleistungen vollbracht und das Volumen der Zuste berechnet.

00:13:25: Sie war zu klein um meine Blutverlust zu erklären.

00:13:28: Es konnte also tatsächlich nur eine Lösung geben Die Periode.

00:13:32: Der Ursprung aller Frauenprobleme Ich beharte darauf, dass ich wirklich keine starke Blutung hätte.

00:13:39: Vielleicht merken Sie gar nicht wie viel Blut sie eigentlich verlieren sagt immer mir Auch der starke Eisenmangel ganz normal in der Pubertät.

00:13:46: das müsste sich alles noch einspielen.

00:13:49: Gar kein Grund zur Sorge Einfach einen Sommer aufs Schwimmigen verzichten sei ja halb so schlimm.

00:13:55: Natürlich wurden es ausgerechnet in diesem Sommer von rund dreißig Grad.

00:14:08: Es gibt dann im Laufe des Romans noch eine zweite OP, die eigentlich eine Not-OP ist und nach dieser zweiten Operation holt sich die Protoponistin im Roman dann auch psychologische Hilfe weil sie einfach nicht mehr gut geht.

00:14:26: Und sie landet bei einer sehr interessanten Psychiaterin.

00:14:34: Meine Psychiatorin ist eine große, sehr hübsche Frau mit hellgrünen Augen, die einen immer sehr genau beobachten.

00:14:42: Bei meiner ersten Sitzung bei ihr war eine erste Frage, ob ich eine Essstauung hätte.

00:14:47: Nachher entschuldigte sie sich für diese Forscherfrage – Ich sei ja einfach sehr abgemagert vorgekommen und sie kenne viele junge Mädchen die mit so etwas zu kämpfen hätten.

00:14:56: Dass man mir ein drei Meter langes Organ herausgeschnitten und anschließend wieder eingesetzt hatte wäre ihre nächste Vermutung gewesen, sagte sie und zwingerte mir zu.

00:15:06: Ich erklärte ihr, dass ich meine Ernährungseiter-Operation vor einem Monat hauptsächlich als Suppe, Joghurt und Beschottens zusammensetzte.

00:15:13: Dass sich Probleme damit hatte nachts einzuschlafen und dass ich oft stundenlang wach lag.

00:15:18: Sie nickte langsam und schrieb mit währenddich Sprache und während sie so schrieb, kratzte ihre Kugelschraube über das Papier, wovon ich an die Gänsehaut bekam.

00:15:27: Als sie fertig geschrieben hatte, sah sie mich lange Zeit durchdringend an Und weil es unangenehm still im Raum war, bekam ich das Gefühl einen Laut produzieren zu müssen.

00:15:37: Ein schönes Bild haben sie dann in ihrem Wohnzimmer hängen.

00:15:40: Von welchem Künstler ist das denn?

00:15:42: Plötzlich heraus, und als ich die Albanheit meiner Aussage bemerkte, hilf ich es für eine gute Idee, sie mit einem hysterischen Lachen zu überspielen.

00:15:51: Die Psychialterin startete mich weiterhin ernst an, zogte nicht mehr mit der Wimpern sagte – Ich habe es in der Anstalt für Geist, ich hab noch mal Rechtsbrecher erworben!

00:15:59: Einen Patient von mir hat es gemalt nachdem er die Innereien seiner Mutter zu einem Eintopf verkocht hatte.

00:16:06: Schade um ihn war ein lustiger Hätte ihm wohl doch was stärkeres als die homöopathischen Mittel verschreiben sollen damals, aber er hatte so eine positive Aura.

00:16:15: Die war ganz hell und orange!

00:16:19: Sie zuckte mit den Schultern.

00:16:20: es wäre das, was sie erzählt hatte dass normalste der Welten fragte.

00:16:24: nun zurück zu ihnen wie fühlen sie sich?

00:16:27: Ich sagte ihr, dass ich mich nicht sonderlich gut fühlte.

00:16:34: Sie ist aus langer Zeit reglos da und starte mich an.

00:16:38: Dann schlug sie ein schweres Buch auf und blättete es sehr, sehr langsam darin herum.

00:16:44: Als sie die gesuchte Seite gefunden hatte drehte sie das Buch so dass ich hineinsehen konnte.

00:16:49: In der Mitte der aufgeschlagenen Seite war ein Kreis der aus vielen unterschiedlichen Farbtönen bestand.

00:16:56: Zeigen Sie mir bitte die Farbe die ihre Stimmung am besten repräsentiert.

00:17:00: lautet ihrer Anweisung?

00:17:03: Ich starte auch die farben Explosion und fragte mich ob das eine Qualifikation war den man im Laufe seiner Psychiatrausbildung lernte.

00:17:10: Zeigen Sie Ihren Patienten ein Buch mit vielen Farben und stellen seinen Hand seiner Auswahl eine Diagnose.

00:17:17: Die Wahrscheinlichkeit, dass der Patient in einem Anfall von Hilflosigkeit irgendeine beliebige Farbe ausgewählt hat ist durchaus gegeben.

00:17:24: So kann es passieren, dass sie einen Psychopathen, der die Innereien seiner eigenen Mutter zu einem Eintopf verkocht, homöpatische Mittel verschreiben obwohl er eine Einweisung an die Psychiatrie nötig hatte.

00:17:36: Doch das ist nicht Ihre Schuld denn Sie sind ja nur die Psychatorin.

00:17:40: Woher hätten sie wissen sollen, dass ihr Patient lügt?

00:17:44: Um ihr schlechtes Gewissen zu beruhigen können Sie ihm dann ein Gemälde abkaufen und dieses in den Eingangsbereich ihrer Praxis hängen.

00:17:52: Dann hängt es dort wie ein schönes Anlenken an dem Moment, in dem sie ihn ihren Beruf vollkommen versagt haben.

00:17:59: Ihre neuen Patienten sitzen vor diesem Gemälden und hoffen auf eine Besserung ihres seelischen Zustandes.

00:18:05: Zu dieser Besserungen sollen sie ihnen verhelfen.

00:18:10: Ich blinselte Start auf die Farben Blut roh, dunkelblau, schlammgrün, dunkelgrün.

00:18:16: Dunkelgrün das fast Schwarz

00:18:17: ist.".

00:18:19: Ich zeigte einen Schloss mit dem Finger darauf.

00:18:22: Die Psychiaterin musste mich aufmerksam, sagte, interessant!

00:18:27: Dann war ich wieder lange Zeit sehr still und ich verkniff es mir nachzufragen ob der Geist, ich habe nur am Rechtsbrecher auch das Bild gemalt hatte dass an der Wand mir ging überhängen.

00:18:38: Ich denke wir müssen uns mit einem Antidepressivum versuchen.

00:18:43: sagt er meine Psychiaterin schließlich.

00:18:45: Anscheinend war ich in ihren Augen ein schwieriger Fall als der Maler des Gemäldes im Eingangsbereich.

00:18:56: Jetzt machen wir ein bisschen einen Sprung in die Kindheit und zwar zu einer Figur, die auch im Roman eigentlich sehr entscheidend ist und zwar die Mutter Die auch eine ziemliche Kämpferfigur ist finde ich weil sie einfach eine sehr zentrale Rolle spielt und eigentlich immer bei den ganzen Arztbesuchen auch dabei ist, aber auch während der Schulzeit sich auch immer ziemlich stark für ihre Tochter einsetzt.

00:19:22: Und genau die Eltern von Lilly sind im Getrennt und sie lebt eigentlich ab einem sehr jungen Alter mit ihrer Mutter gemeinsam und das ist in einer nicht immer einfacher Beziehung.

00:19:37: und da les ich jetzt noch ein bisschen was dazu.

00:19:43: Die Wohnung, in die meine Mutter und ich nach der Trennung von meinem Vater gewohnt hatten war sehr klein.

00:19:49: Meine Mutter versuchte es gern mit der Umschreibung gemütliches Vogelnäst schön zu reden.

00:19:55: Immerhin hatten wir einen winzigen Balkon den meine Mutter mit Blumen schmückte.

00:20:00: In einem heißen Sommer kaufte sie uns ein Planschbecken, das ihr unter höchster Anstrengungen aufbließt damit sie ihre Füße und ich meinen kleinen Kinderkörper darin abkühlen konnten.

00:20:12: Sie arbeitete viel Wenn sie mich vom Kindergarten abholte und ich müde war, und Sie müde waren.

00:20:18: Und ich weinte weil es in unserem Haus keinen Aufzug gab um meine Beine von lange nach Hause weg wehtaten und mir noch sechs Stockwerke bevorstanden begann auch mal eine mutte aufzuweinen Weil es in ihrem haus keinen Aufzug gab uns ihre einköffel bis nach oben schleppen musste und weil Ihre beine vom ständigen herumrennen weht hatten und weil ihr Kind weinten und weil Ihr und dem weinenden kind noch sechs stockwerker bevorstanden.

00:20:43: Da stammten wir dann, hielten einander bei den Händen und meine Mutter wischte meine Tränen weg und ihre eigenen auch.

00:20:49: Und damit gannen wir unseren Aufstieg zu der kleinen Wohnung, unserem gemütlichen Vogelnest.

00:20:57: In dieser Wohnung war es immer warm – unter den Wänden standen Bücheregale mit unzähligen Büchern die unzählige Geschichten enthielten.

00:21:04: Vielleicht wirkte die Wohnung deshalb so eng weil die ganzen Geschichten so viel Platz darin beanspruchten?

00:21:13: Aus den Büchern lasse meine Mutter mir jeden Abend vor.

00:21:16: Und manchmal, wenn ich zwar übermüdet aber so aufgekratzt war, dass selbst ihre sanfte Lesestimme mich nicht beruhigen konnte, sang sie.

00:21:24: Sie sang die Geschichten!

00:21:26: Sie sang Bolo der Elefant oder kleine Cacenina von Erwin Moser.

00:21:30: Manchmal tanzte sie sogar dazu was zur Folge hatte das mir das Einschlafen erst recht nicht gelang.

00:21:37: Am Ende tanzten wir gemeinsam durch die Wohnung.

00:21:40: Sie ließ mich mit tanzen, ein wenig weil es ihr Spaß macht die Regeln zu brechen.

00:21:44: Ein wenig in der Hoffnung die Müdigkeit käme dann schneller über mich.

00:21:48: Wenn ich gar nicht mehr aufhören wollte mit dem Tanzen und meine Mutter erschöpft und verzweifelt war Weil sie schlafen wollte und weil sie wollte das eure Kind endlich schliefe wurde ihre vorher so sanfte schöne Vorlesung singstimme hart und streng Und sie sagte dass ist jetzt Zeit fürs Bett sein.

00:22:06: Wenn ich diese Aufforderung zum Anlass nahm, nur noch wilder zu tanzen wurde sie lauter und etwas verzweifelter.

00:22:13: Wenn ich dann weilen im Bett lag weil ich nicht mehr tanzen durfte und weil Sie geschrien hatte legte es sich zu mir und weinte mit.

00:22:21: so schliefen wir ein an müder Vogel unseren Küken in einem kleinen Vogelnest.

00:22:37: der Mathematik unterrichtender Volksschule veränderte die Beziehung zwischen meiner Mutter und mir.

00:22:43: Wir gerieten immer öfter aneinander.

00:22:46: Meist fing es damit an, dass meine Mutter mir ein aus ihrer Sicht banales mathematisches Problem zu erklären versuchte.

00:22:54: Ich begriff nicht was sie mehr erklärte.

00:22:56: oder wollte man denken nicht so verändern das ich es begreifen konnte?

00:23:00: und nach etlichen gescheiterten Versuchen wurde sie umgehalten und sagte ich verstehe nicht wie du das nicht verstehen kannst!

00:23:07: Ich sagte nichts und begann zu weinen weil ich es ja auch nicht verstand.

00:23:13: dann sagte sie Du weinst?

00:23:15: ICH sollte weinen.

00:23:17: Ich opfere meinen Sonntagnachmittag, um dir zu erklären warum Zug A dem Bahnhof fünfzehn Minuten früher erreicht als Zug B und du willst es einfach nicht begreifen.

00:23:27: Ich weinte noch mehr!

00:23:29: Sie säufzte und versuchte sein letztes Mal weil ich wusste dass sich die Lage zwischen uns verschlimmern würde.

00:23:36: wenn ich hier sagte das ich das Beispiel noch immer nicht verstand behauptete ich dass ich es nun doch verstanden hätte Und sie freute sich und schlug

00:23:43: voller Übermut

00:23:44: vor, dass wir das nächste Beispiel auch gleich lösen sollten um den Stoff zu festigen.

00:23:49: Dann merkte sie natürlich, dass ich es doch nicht verstanden hatte... ...und die Situation eskalierte erst recht!

00:23:56: Oft mischte sich Massimo mein Stiefvater mit schlauen Weisheiten ein.

00:24:01: Lilly du brauchst Mathematik wenn du Erfolg im Leben haben willst.

00:24:05: Ohne Mathe findest du nie einen Job.

00:24:08: über alles Mathe Meine Mutter pflichte die ihm bei und sagte, dass ich irgendwann einsehen müsse.

00:24:15: Dass man im Leben einfach nicht drum herum käme, die Integrale von zwei imaginären Flächen zu berechnen.

00:24:21: Ich muss dazu sagen, ich habe noch nie die Integral von zwei immagineren Flächen berechneten müssen.

00:24:26: nach meiner Matura zum Glück also... ...ich bin erst froh darüber muss ich sagen!

00:24:33: Ich dachte das mathe irgendwie eine größere Rolle in meinem Alltag spielen wird aber zum glück ist er nicht so.

00:24:51: Wenn unsere Lehrer fragten, was wir nach der Matur studieren wollten gab es auf unserer Antworten zwei Reaktionen.

00:24:58: Entweder sagten sie sehr schön – damit ist man immer gut abgesichert oder sie sagten interessant.

00:25:07: Letzterer Kommentar wurde mit einem Unterton versehen das ohne weitere Erklärung offensichtlich machte dass interessant mit riskant gleichzusetzen war.

00:25:18: Kreativität wurde an meine Schule als eine Art gefährliche Krankheit betrachtet, an der man sich nur noch das bloße Vortäuschen von Interesse schon anstecken konnte und jeder Funke von Individualität und Anderssein wurde durch diverse Maßnahmen im Keimer steckt.

00:25:35: Zwar gab es keine obligatorische Schuluniform mehr was viele lärativ bedauerten.

00:25:40: dennoch wurde jede Entblösung von zu viel Haut sofort mit einem Klassenbucheintrag bestraft.

00:25:46: Man ging wohl davon aus, das aufblitzen nackte Haut würde die wenigen männlichen Klassenkameraden zu sehr ablenken und davon abhalten den Notendurchschnitt mit ihrer männlichen Intelligenz anzuheben.

00:25:58: Wir lebten in einer Zeit von Hot Pants, kurzen Röcken, baufreien T-Shirts und zerrissenen Hosen musste uns aber vor der ganzen Klasse von unserer Englischprofessoren zurechtweisen lassen wenn der Rock einen Millimeter zu kurz war.

00:26:14: Es gehörte zu unserem Alltag, vor allem zudem von Mimi die neben mir saß und eine meiner engsten Freundinnen war.

00:26:22: Mimi verkörperte alles wofür unsere Schule nicht stand.

00:26:27: Sie trug oft zu knappe Kleider hörte im Unterricht heimlich Musik hatte nicht nur wie der Großteil der Klasse in Mathe Probleme sondern auch in Deutsch Englisch Französisch und Latein.

00:26:39: sie schlief manchmal im unterricht fast ein ging unter der Woche fort und weigerte sich in der Kirche die Schulhymne zu singen.

00:26:47: Mimis schlimmste Sünde war nicht, dass sie über eine gewisse Resistenz gegen Vorwarnungen zur Rechtweisung verfügte um diese alle beneideten sondern das sie keinerlei Ambitionen hatte nach Temperaturen irgendwas scheiß mit Zukunft zu studieren wie unsere Lehrer sagten.

00:27:05: Die Maya, unsere Englisch-Professoren war eine Person die grundsätzlich jeden egal ob männlich oder weiblich verabscheute der die englische Sprache nicht auf sie einst Niveau beherrschte.

00:27:16: Die Maya gehörte außerdem zu jenen die Abstritten, dass es den Klimawandel gab.

00:27:39: Die Mimi mochte die Maya genauso wenig wie die Mimi die Maya mochte.

00:27:43: Eine Woche vor der Englisch-Pventura fragte sie uns was wir denn später mit unserem Leben anfangen wollten und was wir zu studieren planten?

00:27:50: Und sie lächelte seelig weil ein Großteil der Klasse sich für genau diese Studienrichtungen zu interessieren schien von denen uns jahrelang eingetrichtert worden war das sie die einzigen und besten Absicherungen seien.

00:28:03: Medizin BWL, Jus.

00:28:07: Welch Vielfalt!

00:28:09: Als die Maya merkte dass die Mimi eine der wenigen war, die sich an der Umfrage nicht beteiligt hatte, schien sie das keine Ruhe zu lassen.

00:28:18: Sie fragte Mimi selbstverständlich auf Englisch weil sie ja die Schwachen dazu animieren wollte englisch zu verbessern was sie dann schönes nach der Motore geplant habe ob sie vielleicht Kunst oder Lehramt studieren wolle irgendwas kreatives?

00:28:31: Vielleicht eine Tischlerlehrer?

00:28:35: Mimi antwortete, wie sie ihre Art war und schniert auf Deutsch.

00:28:38: Zuckte unverblümt mit den Schultern und erklärte, dass er sich noch keine Gedanken gemacht habe – das sie froh sei wenn sie die Matura überhaupt schaffe!

00:28:46: Und es sie dann vielleicht eine Reise machen aber unter keinen Umständen studieren wolle.

00:28:51: Die Meier, die genau wusste, daß die Mimi Legasthenikerin war und dass sie sich mit dem Lernen besonders schwer tat, verzog schockiertes Gesicht.

00:29:00: Mimi blieb dabei und sagte, sie sei eben anders als die angehenden US-Medizin und BWL Studenten, die mit uns in der Klasse seßen.

00:29:14: Richtete einen No-Fans an die anderen und schien das Gespräch mit dieser perfekt angewandten englischen Redewendung für Beende zu erklären.

00:29:24: Die Meier schüttelte fassungslos den Kopf, sagte – how interesting, Mimi!

00:29:28: War von dem Blick aus im Fenster und murmelte, dem Blick auf dem Hof arbeitenden Müllmänner gerichtet, kaum hörbar die Warnungen Denn maybe you will end up like them.

00:29:49: Zeig noch eine Stelle, die thematisch ganz gut auch hier reinpasst finde ich.

00:30:03: Die Bibliothekarin lächelt als nämlich etwas ratlos vor dem bis zu deckgereichenden Bücherregal stehen sieht.

00:30:10: Sie ist mir sympathisch weil sie auch an der Runde Brille trägt und mich nie komisch ansieht wenn ich auf meinem linken Auge das Pflaster trage dass man im rechten Auge helfen soll sich mehr anzustrengen.

00:30:21: Es gibt Kinder, die einen dann regelrecht anstehen und fragen warum man so komisch aussieht.

00:30:27: Und es gibt auch Erwachsene, die skrupellos genug sind, einen zu fragen, warum man diese Augenklappe trägt.

00:30:33: Wenn man gerade sieben geworden ist und antwortet dass das mit der Hornhaut Vergrümmung zusammen hängt, die jemand von Geburt an hat, dann kommt man sich alt klug vor.

00:30:43: Heute trägt die Bibliothekarin an den gelben Rollkragen-Pullover mit grünen Punkten Der mir gefällt weil er mich an einem Marienkäfer denken lässt der in ein Glas Honig gefallen ist und sich anschließend im grünen Gras gewälzt hat.

00:30:58: Ich stehe vor einem Regal, stare angestrengt nach oben und überlege wie ich an das Buch in der obersten Reihe kommen könnte ohne jemanden um Hilfe zu bitten.

00:31:07: Dass der gelbe Marienkäfer mit den grünem Punkten auf einmal neben mir steht fällt mir erst auf als die Bibliothekaren fragte ob sie mir helfen könne.

00:31:16: Ich nick gedankbar, zeige auf das Buch dass mir so unendlich weit weg erscheint und beobachte erfürchtig wie sie sich auf die Zehenspitzen stellt und danach greift.

00:31:26: Die liest meine Tochter auch gern!

00:31:27: Gefallen Sie dir?

00:31:29: fragt die Bibliothek Harren als sie mit Thomas Brezina sieben Pfoten für Penny reicht.

00:31:34: Ich nicke eifrig, sie lächelt und verspricht den nächsten Band für mich zu reservieren.

00:31:39: ich lege das buch auf meinen Stapel und warte dass man der Mutter vom Supermarkt gegenüber zurück kommt.

00:31:46: Ich habe immer ein Buch dabei.

00:31:48: Erst sieben Pfoten für Penny, später Bände von Harry Potter oder Herr der Ringe und anderer Fantasie rein.

00:31:55: Es ist nicht so das ich lieber lesen möchte als mit meinen Mitschülern zu reden!

00:31:59: Ich gehe mit meinen Freundinnen zum Pausentournen und springe begeistert über Geräte oder Kletterer an Seilen hoch... ...ich gehe mit den anderen im Hof spazieren, ich setze mich in der fünf Minuten Pause zur anderen die letzte Reihe und schreibe die Religionshaussübung ab.

00:32:14: Ich lese, wenn die anderen Fußball spielen.

00:32:16: Ich lense, wenn sich andere über die Mathe schlurweit unterhalten.

00:32:20: Ich lese vor meine Nachhilfe stunden und ich lese nach meiner Nachhilfestunden.

00:32:24: Ich lasse um mich zu beruhigen und um in eine Welt einzutauchen, in der ich nicht gezwungen bin mit meinen mangelten Rechenfähigkeiten auseinanderzusetzen.

00:32:37: Das macht sie für einige Stunden hell!

00:32:41: Ich lese, wenn mir alles zu viel wird und ich finde Zeit nicht mehr das Mädchen mit der runden Brille sein möchte sondern eine Superheldin die die Welt rettet.

00:32:50: Bei der Begründung zum Rauriser Literaturpreis stand die Chirilob de Polanski Sormann als eine intensive Auseinandersetzung mit Krankheit und Tod.

00:33:05: Die Leserinnen durch ihre erzählerischen Sockfessel.

00:33:11: Kannst du damit was anfangen?

00:33:14: Oder ist diese Begründung, trifft ihr das?

00:33:19: Ich finde es ist irgendwie ganz lustig, dass aus meiner Perspektive als zu beantworten.

00:33:25: Aber ich habe noch nie, also ich find's irgendwie...

00:33:34: ich

00:33:34: glaube ja!

00:33:36: Also der erzählerische Sog, ich glaub' das ist wahrscheinlich schon ein Buch.

00:33:42: Ich weiß gar nicht ob ich das so bezeichne, weil ich könnte mir schon vorstellen wenn man es das erste Mal öfter wegliegen muss, so weiß ich nicht ob man wirklich von einem Sog sprechen kann aber vielleicht einfach im Sinne von dass man ein bisschen drüber nachdenkt über Dinge über die man sonst vielleicht nicht nachdenken würde.

00:34:01: Ja... Aber ich freue mich sehr, ich finde das sind sehr schöne Worte, die da gewählt haben beim Raures.

00:34:09: Jetzt bist du ja eine sehr junge Arturin und beschäftigst dich mit Themen wie Krankheit und Tod.

00:34:18: Wie ist es denn dazu gekommen?

00:34:21: Also, das ist ja ein autofyktionaler Roman und diese Krankheitsgeschichte die da beschrieben wird, ist schon auch meine eigene, wobei es natürlich durch diesen ganzen Rückblicken, die es gibt auf irgendwie die Kindheit und so, das sind so Aspekte, wo ich ein bisschen die Fiktion eben schon noch drin habe.

00:34:40: aber dass sich einen Buch schreibe.

00:34:45: Also ich hätte mir nie gedacht, dass ich das jemals wirklich mache.

00:34:47: Obwohl ich als Kind immer sehr gerne geschrieben habe und da immer so mein Spaß dran hatte.

00:34:51: aber ich hab mir immer gedacht für ein Buch sowas ist irgendwie schon ein riesen Ding sowas zu schreiben.

00:34:56: Und dann war es aber eigentlich ein Vorstück von meiner Therapeutin Dass sie meinte es wäre vielleicht gut gewisse Sachen einfach als Tagebuch aufzuschreiben.

00:35:09: und ich habe das irgendwie am Anfang nicht so sinnvolle Idee gehalten, weil ich mir irgendwie dachte.

00:35:14: Ich rede eh schon so viel darüber und was soll ich das noch aufschreiben?

00:35:17: Und bin dann aber irgendwann draufgekommen dass mich das doch nicht zu gut loslässt wie ich es gern gehabt hätte und hab dann eben ein bisschen angefangen zu schreiben gar nicht wirklich mit dem Gedanken, dass da irgendwie mehr tross wirtelt, dass das jemals irgendwer anderer als ich lesen wird und bin dann immer auch darauf gekommen, dass halt schon eine intensivere Auseinandersetzung bedeutet, weil man halt natürlich ein bisschen schulungsloser über gewisse Dinge schreibt als man zum Beispiel jetzt mit seinen vertrauten Leuten irgendwie drüber redet.

00:35:52: Und ja also ich glaube das war so der entscheidende Punkt dass einfach die Therapie so ein bisschen ins Rollen gebracht wurde und dann habe ich mir irgendwie... Also da hab' ich halt auch mal angefangen zu schreiben und es ging irgendwie ganz schnell alles.

00:36:11: Es wäre vielleicht etwas, was vielleicht auch Leuten helfen könnte.

00:36:13: Die schon mal in einer ähnlichen Situation vielleicht waren bzw.

00:36:17: ich habe darüber nachgedacht dass es mir damals geholfen hätte und dann hab' ich halt auch so ein bisschen über eine Veröffentlichung nachgedachten und so ist das dann eigentlich in Schampen.

00:36:29: Jetzt haben wir ganz viel über Krankheit und Tod geredet aber eigentlich ist das Buch ja auch eine Geschichte über das Leben.

00:36:37: Stimmt!

00:36:38: Weil die vielen... Auch die vielen Teile, die du jetzt vorgelesen hast, strotzen ja eigentlich vor Leben.

00:36:46: Auch wenn es immer wieder Themen oder Teile sind, die mit Krankheit zu tun haben... ...oder der Operation.

00:36:57: Ich finde sie auch einen schönen Umgang auch mit dem Thema, mit dem Einpflanzen eines Herzschrittsmachers,... außerordentlich es ist, ein Stück wird

00:37:12: auch

00:37:13: lustig umzugehen.

00:37:15: Stimmt ja das war mir auch ganz wichtig weil ich mir irgendwie dachte Es gibt so viele traurige Bücher über Krankheit und ich wollte irgendetwas schreiben was vielleicht auch ein bisschen etwas zu lachen hat auch wenn es halt so ein bisschen so ein Sarkasmus ist den vielleicht nicht jede Person lustig findet.

00:37:33: Ich dachte mir irgendwie... Das sind tragische Szenen ist, finde ich, wenn man im Nachhinein darauf blickt auch oft etwas Guriles.

00:37:42: Das sieht man halt vielleicht in dem Moment nicht aber das waren dann so Sachen die mit beschreiben.

00:37:46: also gibt es auch Szenen wo ich Zimmernachbarinnen beschreibe wo das in dem moment einfach schrecklich für mich war.

00:37:51: aber ja dann im nachhineim am schreiben dachte ich mir eigentlich schon ein bisschen lustig fast schon.

00:37:56: und Was ich auch irgendwie ganz interessant finde, ist halt es geht eigentlich um so ganz große Entscheidungen.

00:38:03: Also nach der Matura denkt man sich okay was mache ich jetzt und was wenn ich etwas Falsches wähle?

00:38:08: Und irgendwie dann der ganze Stress und das verblasst dann aber eigentlich alles im Vergleich zu diesen sehr lebensbedrohlichen gesundheitlichen Ereignissen.

00:38:25: wichtiger Kontrast irgendwie, dass es dann durch Gesundheit, wenn man gesundliche Probleme hat, relativiert das halt alles andere was einem eigentlich vielleicht sonst viel wichtiger erscheint.

00:38:36: Und lässt einen oder lässt dich das Leben los?

00:38:47: Nein, nicht

00:38:48: wirklich!

00:38:51: Es gibt immer irgendetwas passiert, wo man vielleicht nicht rechnet und auch wenn's in Gefasen gibt Ich denke, ich will nicht mehr mich nervt gerade alles.

00:39:02: Es wird immer in irgendeiner Form besser.

00:39:11: Ich denke ganz spannend ist

00:39:13: auch noch... Ich habe

00:39:16: ein bisschen recherchiert zum Buch und zu dir Und es gab in der Buchkultur, in der Zeitschrift Gabs

00:39:24: einen

00:39:24: Artikel von dir Und da steht unter dem Titel das Fenster zur Buchkultur.

00:39:32: Entschuldigung Sind Sie eine Buchhandlung?

00:39:35: Ich zucke kurz zusammen, registriere im Augenwinkel die Bewegung neben mir.

00:39:40: Drehe den Kopf um Blicke durch das geöffnete Fenster direkt in das Gesicht eines Manges.

00:39:46: Der interessiert die Innenräume der Esslangasse zehn Mustern.

00:39:50: Ich folge seinen Augen und lasse den Blick über die mit Büchern bedeckten Schreibtisch ergleiten.

00:39:57: Sehe diese stapelten noch ungeöffneten Pakete, in denen sich weitere Bücher

00:40:02: befinden.".

00:40:03: Ich frage mich, was wohl drinnen sein wird und freue mich jetzt schon aufs Aufmachen.

00:40:10: Da sitzt man dann immer ganz gespannt da und beobachtet mit Aushaugen wie die nächste heiß begehrte Neuerscheinung aus dem Karton geschält wird.

00:40:20: Wie eine Raubrehe aus einem Kokon.

00:40:22: Und man fühlt sich dabei ein bisschen als hätte man Geburtstag nur ohne das Singen dafür vielleicht begleitet mit einem Erfreuten.

00:40:30: Oh!

00:40:32: Darauf... bin ich schon so gespannt.

00:40:36: Ich

00:40:37: muss sagen, auch schon ganz gespannt wie es mit dir weitergeht... Mit deinem Schreiben auch?

00:40:46: Es ist so.

00:40:47: ja wenn ich jetzt sage interessant dann klingt das vielleicht ein bisschen komisch nachdem du diese Stelle vorgelesen hast.

00:40:55: aber das meine ich damit nicht so wie es die Lehrer und Lehrerinnen beschreiben.

00:41:05: Du schreibst dir dieses Auspacken von Büchern.

00:41:09: Wie ist es denn dir ergangen, als du deine Exemplare bekommen hast und ausgepackt hast?

00:41:16: Das war ganz aufregend!

00:41:19: Es sind ja aus Frankfurt geliefert worden und ich war irgendwie ganz aufgeregt.

00:41:24: kam jetzt irgendwie nicht an.

00:41:25: und dann habe ich schon einmal in den Verlag angerufen, da dachte ich mir, ich kann das nicht noch mal anrufen.

00:41:29: Ich kann die jetzt nicht nervt von dem auch besser ist zu tun als dass sie mir da irgendwie Auskunft über meine Bücher geben.

00:41:34: Und dann war es im Endeffekt glaube ich sogar so, dass sie gar nicht bei mir vor meiner Haustür waren sondern bei einer Nachbarin.

00:41:39: Da musste ich irgendwie aus ganz der Haus rennen und die hat sich auch gewundert was da in diesem riesigen Karton drin ist und dann hab' ich sie aufgemacht.

00:41:48: schon ein echt toller Moment.

00:41:49: Ich habe nicht geweint, ich dachte wirklich dass ich eigentlich weinen werde wenn ich es aufmache aber ich war relativ ruhig.

00:41:56: und was mich auch so überraschend war das Punkt Tokis ist weil das wurde mir irgendwie nicht gesagt und ich hab mich eh gefragt ich hatte immer dann wahrscheinlich jetzt noch schwarz und das war irgendwie eine schöne Überraschung ja und ich war ganz verliebt natürlich und bin's immer noch.

00:42:13: eigentlich Habt ihr dann ganz brav unseren Freunden und Bekannten und Familie verteilt?

00:42:21: Und ja, es ist irgendwie immer noch ein bisschen zu real.

00:42:26: Dass auch so irgendwie zu sehen in den Handlungen oder so.

00:42:29: Es ist irgendwie noch nicht ganz angekommen, obwohl es jetzt schon echt lang her ist eigentlich.

00:42:35: Was ist denn passiert nachdem die Menschen das Buch gelesen haben?

00:42:41: In den ersten paar Tagen habe ich mir gedacht, ich will eigentlich irgendwie weniger im Handy sein und ich würde eigentlich gerne auch Social Media ein bisschen löschen.

00:42:49: Und das war unmöglich in den ersten par Tagen weil mir wirklich so viele Leute geschrieben haben und mich auch in Stories getaggt haben mit dem Buch und damit hab' ich mir nicht gerechnet, weil... Ich wusste schon dass dieses Book Talk so ein Ding ist aber ich habe nicht damit gerechnet dass wir wirklich auch Leute schreiben eine ähnliche Geschichte haben oder auch selber eine Herz-o-Peer schon mal hatten, habe mir geschrieben.

00:43:14: Und ich habe irgendwie echt nicht damit gerechnet dass es so viele sein werden und ich bekomme jetzt noch immer noch manchmal Nachrichten und ich finde das immer total nett ist auch Leute sich dann so irgendwie die Zeit nehmen und mein Account suchen.

00:43:27: wenn wir das dann schreiben und seit es Leute bei mir machen mache ich das auch bei anderen Autoren in einem Buch gefallen weil ich finde es einfach eine nette Gist und man freut sich dann wirklich voll.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.