Literatur zum Hören - Lesung mit Rainer Wisiak: Das Land der Kindheit
Shownotes
Rainer Wisiak erzählt vom Aufwachsen in Dornbirn in den 60er- und 70er Jahren.
Ein wunderbaren Rückblick auf eine Zeit, in der vieles noch anders war. Die in diesem Band gesammelten – und in der Edition Eigenfarben erschienenen – sind Geschichten von großen Freiheiten für Kinder, vom Herumziehen in der Natur ebenso wie davon, die (Erwachsenen-)Welt um sich herum verstehen zu wollen.
Die Erinnerungen stecken aber nicht nur in groben Zügen das Land der Kindheit ab, es sind auch Geschichten vom Ankommen von Erwachsenen, die in einem anderen Land aufbrachen, mit dem Wunsch, in Vorarlberg Fuß zu fassen – und somit auch Geschichten über das immer schwierige Unterfangen, fern der Heimat neu zu beginnen.
Rainer Wisiak Geboren 1963 in Dornbirn, Studium der Pädagogik, Politik- und Theaterwissenschaft. Ausbildung zum Waldorf-, Montessori- und Waldpädagogen, arbeitet derzeit an einem Schulkompetenzzentrum für Prävention, Inklusion und Rehabilitation in Wien. Seine Fachbücher zum Thema Pädagogik erscheinen in der „Reihe Reformpädagogik“ des LIT Verlages. Mit zwei Freunden gründete er 2023 die „Edition Eigenfarben“. Er ist Vater von zwei erwachsenen Kindern und wohnt derzeit in Niederösterreich
Audio-Aufzeichnung einer Lesung in der Stadtbibliothek Dornbirn am 17.04.2025
Aktuelles Veranstaltungsprogramm der Stadtbibliothek Dornbirn: https://stadtbibliothek.dornbirn.at/veranstaltungen
Transkript anzeigen
00:00:00: Ja, meine sehr geehrten Damen und Herren.
00:00:02: Herzlich willkommen in der Stadt-Bilothek zu unserer Veranstaltung in Kooperation mit dem Stadtmuseum!
00:00:11: Vielen Dank für euer Mitmachen.
00:00:14: Ich darf Sie begrüßen zu einer Veranstaltung mit Rainer Wiesjagg und Lakshmi Witzemann.
00:00:23: Raina Wiesjaak hat ein kleines aber feines und dann doch so reiches Büchlein geschrieben, das Land der Kindheit.
00:00:34: Das Thema uns heute vorlesen wird und Lakshmi Mitzemann wird in musikalischem Rahmen.
00:00:40: Herzlich willkommen!
00:00:49: Diese Veranstaltung findet statt auch im Rahmen der Reihe des Stadtmuseums.
00:00:54: unser Haus Besitzen, Bewohnen, Fer oder Erben.
00:00:59: Sie haben auf ihren Stühlen einen Folder gefunden.
00:01:02: da sind noch die weiteren Veranstaltungen drinnen.
00:01:06: Ein paar Worte zum Rainer Wiesjagg, in Dornbirn geboren.
00:01:12: Hat pädagogik Politik und Theaterwissenschaften studiert oder hat sich ausbilden lassen zu Waldorf Montessori und Waldpädagogen.
00:01:26: Derzeit lebte er in Niederösterreich mit seinen zwei Kindern und seiner Frau.
00:01:38: kleine feine Büchlein, sondern auch dicke Dicke Fachbücher.
00:01:42: Die liegen dann auch beim Büchertisch aus.
00:01:44: können sie sich auch gerne hineinschmökern.
00:01:48: Lakshme Witzemann spielt seit dem neunten Lebensjahr Gitarre hat ein Bachelorstudium absolviert und im Laufe des Studiums hat sie dann schon solo und in ensembles konzertiert.
00:02:03: Seit zwei Jahrtausendzehn unterrichtet sie an der Musikschule Daumenbären Gitarre mit Schwerpunkt Jazz und Popularmusik.
00:02:12: Ja, ich werde mich jetzt zurückziehen.
00:02:15: Der Rainer Wiesjagg und die Laktschmee Mitzemann werden jetzt mal den ersten Teil des Abends bespielen und ich freue mich schon auf die Veranstalter.
00:02:32: Herzlich willkommen auch von meiner Seite!
00:02:36: Schön dass Sie gekommen sind, schön das Sie so zahlreich gekommen sind.
00:02:41: Ich meine, Sie sehen es nicht von Ihrer Seite.
00:02:43: Aber von unserer Seite ist das sehr beeindruckend!
00:02:48: Wir wollen uns zuerst mal bedanken beim Stadtmuseum und bei der Stadt Bilbiothek Dormbirn für die Möglichkeit hier spielen und lesen zu können.
00:02:59: Für mich ist es doppelt schön dass dieses Buch jetzt in Dorm Birn quasi landen kann wo es wahrscheinlich auch am ehesten hingehört.
00:03:10: Danke dir, Lakshmi für die musikalische Begleitung an diesem Abend.
00:03:14: Und danke auch an die Barbara Sohm, die heute den bürtisch betreuen wird!
00:03:25: Falls Sie heimgehen und dieses Buch nicht gekauft
00:03:28: haben –
00:03:29: und dann die halbe Nacht nicht schlafen und sich ärgern, weil sie es nicht gekauft haben?
00:03:35: Die Barbara wird immer ein paar Stück in der Buchhandlung Rapunzel.
00:03:41: Und der Erlatssteit hat es schon erwähnt bei der Einladung.
00:03:44: Bei der Einführung vielen Dank!
00:03:48: Ich habe nicht nur dieses Buch geschrieben, sondern auch ein paar andere.
00:03:53: In den letzten Jahrzehnten habe ich Kinder und Jugendliche in vielen Bereichen begleitet im Kindergarten, freie Schulen, öffentliche Schulen, therapeutische Wohngemeinschaften – und ich habe sie in meine Arbeit empfunden, die sehr bereichend ist die ich immer noch sehr gerne mache.
00:04:12: und ich mach diese Arbeit nicht nur sehr gerne, sondern ich schreibe auch drüber.
00:04:18: Und zwei von diesen Büchern sind eher Fachbücher liegen heute zum Verkauf auf.
00:04:27: Wenn man so Fachbühner schreibt dann soll man keine persönlichen Sachen reinbringen, nicht fantasieren Träumen, keine Witze erzählen und es ist besser man lagert diese Dinge aus.
00:04:44: Und vielleicht ist das der Grund warum dieses kleine Buch hier entstanden ist?
00:04:51: Warum handelt es in diesem Buch?
00:04:54: Wo geht's in diesen Buches geht ums Aufwachsen, mein aufwachsen im Dorbien der Wohne.
00:05:08: derzeit lese, muss ich Ihnen ein bisschen erklären.
00:05:12: Wo liegt den Dornbjörn?
00:05:13: Das kann ich mir heute ersparen.
00:05:16: Aber die Frage ist wo liegt der Riedweiler in der kleinen Gasse, wo sich all diese Geschichten abgespielt haben?
00:05:26: Ein bisschen liegt das schon im Namen selber.
00:05:30: Also Weiler sind so die letzten Häuser In einem Ort, in einem Dorf?
00:05:35: und Ja, ist man die letzten Häuser bevor es in die Riedlandschaft übergeht.
00:05:42: Ich war heute mit einem Kollegen wieder dort spazieren.
00:05:45: also vom Ried sieht man nicht mehr viel.
00:05:47: Man blickt eher auf ein Meer von... wie soll ich das definieren?
00:05:54: Schwer zu erklären!
00:05:57: Von Wohnbauten, die so ganz anders sind als die auch aus meiner Kindheit kennen.
00:06:07: Damals, vor siebzig Jahren ungefähr haben meine Großeltern in diesem Riedweiler ein großes Haus bauen lassen.
00:06:17: Drei Stockwerke!
00:06:20: Sehr klug für jedes ihrer drei fast erwachsenen Kinder einen Stockwerk mit der großälterlichen Küche im Erdgeschoss und dem großen schlafzimmer im ersten Stock.
00:06:32: Und als was eigentlich gut geplant und gut durchdacht war, hat sich mit dem Zuzug von diversen Schwiegersöhnen- und Schwiegertüchtern und diversen Mietern als ein Soziallexperiment erwiesen.
00:06:48: Weil um es kurz zu sagen kein Erwachsener konnte den anderen leiden.
00:06:55: Von dem her gliedet sich das Buch in zwei Teile.
00:06:58: also die Kinder sind dann meistens in die Wildnis entflogen, haben dann geschaut dass sie möglichst erst am Abend wieder dort sind.
00:07:08: Also das Buch erzählt von einem sehr freien Aufwachsenen der Natur und von einer Sicht der Kinder auf eine sehr merkwürdige erwachsenen Welt.
00:07:21: Ich habe aber versucht diese Erwachsener mit einem Augenzwinkern zu beschreiben weil sie hatten es ja nicht leicht.
00:07:28: sämtliche Beteiligte und Bewohner dieses Haus sind aus anderen Bundesländern oder aus anderen Ländern gekommen, um in Voradelberg neu zu starten.
00:07:39: Und wie wir wissen ist nicht jeder Neustart automatisch auch leicht!
00:07:47: Ich habe vom Streiten erzählt... ich beginne aber mit einer ganz harmlosen Geschichte.
00:07:55: Sie heißt Rotkäppchen.
00:08:00: Meine Großmutter besaßt nicht viele Dinge.
00:08:03: Schmuck sah ich sie nie tragen.
00:08:06: Vielleicht war das damit zu erklären, dass sich manche frühgemachten Erfahrungen tief ins Herz und Gemüt einbrennen wie?
00:08:13: Schmucke ist etwas für feine Damen!
00:08:16: Für Dienstmädchen geziemnt es sich nicht.
00:08:20: Denn als ein solches kam eine Großmutter nach dem ersten Weltkrieg vom kerntenerischen St.
00:08:25: Pfeid an der Glanach vor Radlberg – wobei was heißt schon
00:08:29: kommen?!
00:08:30: Denn entweder wurde sie von den Eltern geschickt oder von der Not von dort vertrieben.
00:08:36: Jedenfalls fand sie übrigens tatsächlich eine Anstellung ans Dienstmädchen und arbeitete in dieser Eigenschaft später sogar einige Monate in Frankreich.
00:08:47: Dies muss für die junge Frau ein einzigartiges Erlebnis gewesen sein, denn um es hier zu erwähnen – es war auch das einzige Mal, dass meine Großmutter im Ausland war!
00:08:58: Vielleicht weil sich auch Urlaube für Dienstmädchen nicht geziemten.
00:09:05: Die Gründe für ihre Rückkehr nach Dortmund sind mir nicht bekannt, ebenso wenig die Umstände wie sie zu ihrem ersten Kind kam.
00:09:13: Jedenfalls war der Holodri von Mann bald über alle Berge und für meine Großmutter begann eine schwere Zeit.
00:09:20: Natürlich fand sie später meinen Großvater – ob dies aber ein Glück oder Unglück war ist bis heute schwer zu sagen!
00:09:29: Doch zurück!
00:09:31: Viele Dinge besaß meine Großmutter nicht, drei Gegenstände waren ihr jedoch heilig.
00:09:38: Zum einen besaße sie einen dieser riesigen Altern mit Holz und Kohle zu fütternden Herde.
00:09:44: auf diesem Brutzelte oder Kochte oder dampfte ständig etwas was uns Kindern großen Respekt einflößte.
00:09:52: und war es nicht einer dieser Töpfe So war es die in den Herd eingelassene Wasserwanne, deren Dampf einen gewissen Respektabstand einforderte.
00:10:02: Dieses Ungetümmetholz oder aus Kohlischstaub gepressten Briketts am Lotern- oder Glühend zu halten waren uns Kindern verboten!
00:10:11: Ich erinnere mich mit welcher Fürsorge der Herde gepflegt wurde – stets war er sauber und seine Metallteile poliert.
00:10:20: Die selbe Fürsorger Heldteilik II das Cannapé.
00:10:25: Heute würden wir sofort dazu sagen, wobei meine Großmutter sprach es französisch aus also Cannapés und ein wenig schwang wenn sie es auf diese Weise aussprach in mein Hauch von Sehnsucht mit.
00:10:39: In ihrem winzigen Nachlass fand ich später – ich besitze Sie heute noch – fünfzehn dünne Heftchen eines nach dem Zweiten Weltkrieg von der französischen Besatzungsmacht herausgegebenen Sprachkurse.
00:10:52: Ob sie wohl Nachtens darin gelesen und ihr Französisch aufgebessert hat?
00:10:57: Vielleicht, um einmal noch Paris zu sehen was nie mehr geschah.
00:11:03: Und dann gab es noch diese große Nähmaschine der Marke Singer – so bedienen mit einem Fußpedal das mittels Keilriemen ein Schwungrad und dieses die Nähmachineantrieb.
00:11:15: Dieses Reich der Großmutter verzauberte mich und mit mir meine Kusine!
00:11:20: Vor allem an Regentagen war es im Hause und das erliebte Außentalsort unter Sofa Padin, Canapé.
00:11:27: Mit seinen Decken und Kissen wurde uns zum Rückzugsort von dieser Welt.
00:11:32: Springen war auf dem Heiligtum natürlich strengsens verboten.
00:11:36: Woran wir uns kaum war Großmutter entschwunden selten hielten Denn mit seinem Kern aus Federn weiß besser als jedes Trampolin Kehrte sie zurück, malten wir artig an unseren Bildern weiter oder übten uns von Großmutter geleert im stricken endloser Schals.
00:11:54: Während das Radio lief und sonntags im Wunschkonzert Hainty & Co.
00:11:58: Großmütter zu Tränen rührten.
00:12:02: Für Ausflüge mit ihren Enkelkinden hat Großmuter so sie diese hüten sollten ihr Reich eigentlich nie verlassen große Ausnahme.
00:12:12: Mein erster Kinobesuch fann an der Hand meiner Großmutter statt.
00:12:17: Wobei man es Vornehmer ausdrücken muss, wir besuchten im Zentrum der Stadt die Weltlichtspiele am Programm eine Verfilmung von Rotkäppchen.
00:12:27: ich muss etwa sechs Jahre alt gewesen sein und verstand nach dem Film Die Welt nicht mehr.
00:12:32: heute würde man wohl traumatisiert dazu sagen Ein Wolf, der seine Großmutter frisst.
00:12:41: Ich hatte danach hunderte Fragen.
00:12:43: Gibt es noch Wölfe?
00:12:45: Nein!
00:12:46: Hast du Großmuter schon einmal einen gesehen?
00:12:49: Im Zoo.
00:12:50: Wird das bei uns vielleicht wieder einmal welche geben?
00:12:53: Kaum... Während der nächsten Wochen müde ich die Weltchen.
00:12:58: Für weitere sieben Jahre erinnere mich genau auf die Weltsichtspiele.
00:13:04: Meine eigenen Kinder habe ich später viele.
00:13:07: und gerne Märchen vorgelesen, das Märchen von Rotkäppchen jedoch nie.
00:13:23: Jetzt wird es ein bisschen ernst, jetzt kommt der Konterpart, die Geschichte heißt Haltestelle Hartladorf.
00:13:33: Mein Großvater kam auf der Suche nach Arbeit aus dem Trentino in unser Land und brachte von dort außer seinem Familiennamen Clementi nicht viel mehr an Gepäck mit.
00:13:44: Ein wenig später folgten ihm seine drei Schwestern, ich habe sie als sehr steife stets in schwarz gekleidete Damen in Erinnerung.
00:13:52: Bei deren Nennung deren Namen wir Kinder immer kichern mussten – natürlich nicht bei Silvia Clementi.
00:13:59: Kaum zu verhindern war das aber Christiancia Clementi und Clementine Clementi!
00:14:07: Wie aber steht es um unsere Erinnerungen?
00:14:10: Ganz sicher kann ich mich an Großvaters Schwester erinnern, habe ich sie doch als Volksschulkind immer wieder gesehen.
00:14:17: Aber der Großvater war ich vier oder fünf Jahre alt, also starb?
00:14:23: Errenne ich mich nur aufgrund von Fotos und erzählt der Geschichten an ihn – und von Erinnern.
00:14:29: im eigentliche Sinne kann man ja so scheint es mir letztlich nur sprechen wenn wundersam erlebt ist als Bild-oder Bilder!
00:14:38: tief in unser Innerstes gesunken ist.
00:14:41: Solche Erlebnisse waren wir mit meinem Großvater Mütterl herseits nicht vergönnt.
00:14:47: Vieles blieb schemenhaft und so bin ich vor allem auf Erzählungen über ihn angewiesen.
00:14:53: Bahnwerder war er, auch nicht nur für das Öffnen und Schließen der Bandschrankern der ein- und aussteigenden Passagiere – und als ordnungsgemäße protokollieren aller durchfahrenden Züge zuständig Sondern sein Arbeitsort, die Haltestelle Hatladorf, beherbergte gleichzeitig auch die Wohnung seiner kleinen aber stets wachsenden Familie.
00:15:15: Und so war er auch für das ganze Drum herum der Halteställe zuständig – wobei kann man bei zwei vom Arbeitsbereich abgetrennten Räumen im Suchterö des ohnehin kleinen Häuschens von Wohnung sprechen?
00:15:30: Meine Mutter zählte mir manchmal von dieser Enge, in der sie aufwuchs – ihr Bett im Wohnzimmer nur durch einen Vorhang von denen ihrer Brüder getrennt.
00:15:40: Vom Blick aus den schmalen Pflänztern die Aufhöhe des Bahnsteigs dem Blick auf die Schuhe und Beine der Passanten freigaben.
00:15:48: Kein Wunder also dass mein Großvater von einem großen Haus abseits jeden Rummelsträumte!
00:15:55: Und dieses wurde ja dann im Riedweiler unter wahrscheinlich vielen Einschränkungen des täglichen Lebens Wirklichkeit.
00:16:03: Doch glücklich schien ein Großvater von ihrem mührischem Charakter auch dort nicht zu werden.
00:16:09: Misstrauisch und argwönig gegenüber den zugezogenen Schwiegertöchtern wie dem Schwiegersohn hartherzig selbst im Stiefsohn gegenüber, der bei vermeintlichen oder begangenen Fehltritt oft die Bemerkung zu hören bekam, dass er hier ohne dies kein richtiger Clementi sei.
00:16:28: Man ging ihm also besser aus dem Wege – was nicht so einfach war hat ja ja!
00:16:33: Seit der Entpension war genügend Zeit wie ein Schatten und ohne Vorwarnung ums und im Haus herumzuschleichen.
00:16:40: Stets auf der Suche nach Gründen dieses oder jenes zu bemängeln das wohl letztlich auch Ausgangspunkt zahlloser Streite war mir in seiner Nähe nicht wohl, noch weniger als ich also ins Sterbebett gerufen wurde.
00:16:56: Einen Schlaganfall hieß es habe er litten und konnte nicht mehr sprechen!
00:17:02: Ich konnte mit meinen vier oder fünf Jahren mit dem Wortschlaganfall rein gar nichts anfangen.
00:17:08: Hatte er wen geschlagen?
00:17:10: Hatte jener oder jene zurückgeschlagen?
00:17:13: wie immer es gewesen sein mochte beschloss sich in diesen Minuten das Wortschlaganfall durch Wutanfall zu ersetzen.
00:17:21: Diesbezüglich hatte ich als Kind mehrere Bilder im
00:17:25: Kopf.".
00:17:25: Ja, so musste es gewesen sein!
00:17:28: Mein Großvater hat einen solchen Wutan Fall bekommen dass er sich von diesem nicht mehr erholte.
00:17:45: Ich habe die Geschichte vom Großvaters erzählt weil es spannend ist.
00:17:52: es differenziert zu ein bisschen diese Erwachsenwelt und Kinderwelt weil die ja so unterschiedlich ist.
00:18:00: Wir sind in der wachsenen Welt sehr im Kopf und die Kinder noch sehr, sehr ... Im Gefühl und was mich oft irritiert hatte, waren diese Wörter der Erwachsenen ihre Bräuche.
00:18:13: Wörtern wie Schlaganfall oder Scheidung?
00:18:18: Was macht ein Kind mit dem Gegriff Scheidungs?
00:18:20: Meine Großeltern ließen sich im hohen Alter scheiden.
00:18:24: Was macht einen Kind das Evangelium nach Wilhelm Lukas in der Nebengasse?
00:18:31: Also es ist ein bisschen so... Es ist schwierig als Kind reinzukommen in diese erwachsenen Welt und Maria Montessori hat mal so ein schönes Bild gebracht, sie hat gesagt.
00:18:41: Es ist so ein bisschen wie wenn die Froschmutter zu den Kalkfarben im Wasser sagt kommt doch raus ihr Kleiner, das ist eine herrliche frische und kalte Luft.
00:18:50: also so ein bißchen fühlt man sich oft als kind denke ich.
00:18:55: Und im Schreiben des Buches war es für mich eigentlich fast am schwierigsten zurückzukehren in dieses Kindheitsgefühl, nicht in die Erinnerung.
00:19:06: Das muss man sich ja sowieso oft erzählen lassen oder man holt es anhand von Fotos und anderen Bildern nach aber in dieses Gefühl einzutauchen.
00:19:16: wie war das damals wenn man dir Wachsen nicht so ganz versteht?
00:19:21: Und ich lese jetzt noch drei Geschichten in einem durch und dann bist du wieder in der Reihe.
00:19:29: Die erste Geschichte Lese ich, weil meine Lieblingskusine heute hier sitzt und das ist für die Traudel.
00:19:40: Sie heißt Südtirol!
00:19:45: Obgleich mein Vater eine Lehre als Dachspendler gemacht hatte, arbeitete er später Zeit seines Lebens in einer der großen Textilfabriken Dormbiens ebenso bis auf wenige Monate vor wie nach der Geburt ihrer Kinder meine Mutter.
00:20:02: Und da diese Arbeit im Schichtbetrieb organisiert war, kam es aufgrund der unterschiedlichen Schichten meiner Eltern zwangsläufig zu Überschneidungen.
00:20:11: An denen für eine gewisse Zeit der Hinreise des einen Elternteils und gleichzeitig der Rückreise eines anderen Elterenteils von der Fabrik beide Elternteile abwesen waren.
00:20:23: Das waren dann jene Zeiten in denen meine Großmutter ein Auge auf mich werfen sollte was sie auch geflissentlich tat.
00:20:32: Aber selbst Großmütter sehen nicht alles, besonders dann wenn eine solche Zeitspanne einen ganzen Tag umfasst.
00:20:39: Um einen solchen Tag handelte es sich als meine Eltern gemeinsam mit meiner Taufparty und deren Mann einem gebürtigen Südtiroler einen Tag eben dort verbringen wollten.
00:20:52: Nun war das nichts Außergewöhnliches für mich weder Dass meine Großmutter mich manchmal aufgrund der Abwesenheit meiner Eltern mittags bekruchte, noch dass sie mich abends zu Bett bringen sollte.
00:21:05: Außergewöhnlich war auch nicht das wir mit unseren Rollern oder Dreirädern das Ende der Gasse nicht immer als exakt in unumstößlige Grenze einhielten sondern diese manchmal um ein paar Meter auf die next legs größere Straße ausweiteten.
00:21:21: Warum auch nicht, waren Otto damals in der Gegend ja noch seltene Gäste.
00:21:27: So war es auch nicht außergewöhnlich dass wir Kinder manchmal aus dem Blickfeld der Großmutter entschwanden.
00:21:34: Außergewöhnlich war aber die Idee, ob es letztlich meine oder jene meiner Kusine war, kann ich mich nicht mehr entzinnen.
00:21:41: Mit dem Drei rate ich vorne treten, meine Kusinen auf der hinteren Achse stehen und mich an den Schultern halten ebenso wie meine Eltern nach Südtirol fahren zu wollen.
00:21:53: Weit konnte das ja nichts sein, wollten meine Eltern ja am Abend schon wieder zurück
00:21:58: sein.".
00:21:59: So kämpften wir Kindergartenzwerge und Tapfer von Straße zu Straße in immer freundere Gegenden vor, uns Südtirol immer näher wähnend.
00:22:10: Als wir jedoch vor der großen Bundesstraße standen, die in die nächste Stadt führte, schien sich doch eine gewisse Ratlosigkeit breit gemacht zu haben – denn auf unsere Ratloskeit in unseren Blicken wurde auch eine Frau aufmerksam, die uns nach unserem Plänen und Zielen befragte!
00:22:29: Inzwischen muss auch unsere gerade kochende oder blumengießende Großmutter bemerkt haben, dass es um sie herum sonderbar still war.
00:22:38: Denn als wir von der ortsgründigen Frau heimgelotzt wurden, war schon der gesamte Riedweiler in heller Aufregung.
00:22:45: Wir schienen, so wurde uns später zählt diese Aufregungen nicht verstanden zu haben – vielleicht war unsere Enttäuschung darüber unser Ziel nicht erreicht zu haben größer als die Aufregungs der anderen?
00:22:59: Kinderpläne sind manchmal schwer doch schaubar, noch schwerer deren Gefühle.
00:23:05: Denn wie wäre es sonst erklärbar das nach all den Jahrzehnten die seitdem vergangen seint mein Herz beim Erklingen des Wortes Südtirol schneller zu schlagen beginnt und der seltsame Wunsch tief in mir drin spürbar wird?
00:23:20: Irgendwann, irgendwann einmal möchte ich mit meiner Kusine noch nach Südtiral reisen!
00:23:36: Eine ganz kurze Geschichte mit dem Titel Regen duftet.
00:23:42: Es war leicht festzustellen, welche Nachbarn Kinder hatten und welche nicht – sogar auf einen Blick!
00:23:47: Denn die Grundstücke jener Nachbaren ohne Kinder waren zum Schutz vor jugendlicher Abendreuerlust umzäunt, um eine Solhe gänzlich zu unterbinden oder zumindest einzuschränken.
00:23:59: Das Haus mit der Nummer vier War von zwei solchen Nachbarn umgeben, was insofern nicht störend war.
00:24:06: Dass sich der Birnenbaum des einen älteren Ehespars ohne dies an der Grundstücksgrenze befand und seine Äste fast zur Hälfte auch auf unseren Grund herüberstrickte Und der Maschendrahtsaun zum anderen Nachband so grobenmaschig war dass unsere dünnen Händchen durch ihn hindurch die Johannes-Bären problemlos erreichen konnten.
00:24:28: Bezüglich alle anderen Nachbarhäuser schien es, da zahunlos für uns nicht wirklich Grenzen zu geben.
00:24:34: Es fühlte sich stets wie ein einziger großer Spielplatz an auf welchem man bis in die Dunkelheit hinein verstecken fangen oder Fußball spielen konnte.
00:24:45: Unterschieden wir zwischen Mädchen und Buben?
00:24:48: Kaum!
00:24:49: Blick ich zurück sehe ich die Mädchen zäh dem Fußball nachjagen und die Buben sich beim Gummitwist abmühlen Auf Stellzen gehen.
00:24:58: Wer wagemutig genug war, schaffte die sechs Stufen hinauf bis zu unserer Hausdürre.
00:25:04: Klettern war eine Leidenschaft von uns allen.
00:25:09: Einer meiner – wohl auch der anderen – Lieblingsspiele beim Nahen eines sommerlichen Gewitters War aber folgendes.
00:25:17: Kaum begann die Wolken bedenkliche Farben anzunehmen Die Luft merklich kühler zu werden und ein leichter Wind aufzukommen legten wir uns auf die kleine getaerte Straße, in welche unsere Gasse mündete.
00:25:31: Dort legten sie uns auf den Rücken arme und Beine weit von uns gestrickt und ließen den ersten Regenschauer über uns ergehen.
00:25:42: Wenn die ersten Truppen auf die staubige noch warme Straßetrafen entstanden ein eigenartig angenehmer Duft der sich schwer beschreiben lässt – auch heute noch!
00:25:53: Aber auch heute noch ergreif ich bei einem plötzlich einsetzenden Sommerregen nicht gleich die Flucht.
00:25:59: Sondern bleibe erst einmal stehen, schließe die Augen, atme tief ein und bin erfüllt von dem Gedanken so duftet
00:26:08: Kindheit.".
00:26:10: Als wir uns damals dann von der kleinen Straße erhoben, wussten wir schon was wir gleicher blicken würden.
00:26:16: Wie aufgemalt hoben sich noch die druckenen Bereiche unsere kleinen Körper abbildend von der übrigen schon nassen Straße ab, um sich dann im Regen im Zeitlubentempo aufzulösen und Teil der restlichen dunklen und nassen Strasse zu werden.
00:26:35: In meiner Erinnerung gleich dies alles einem langsamen und wunderschönen schwarz-weiß Film einer Meditation.
00:26:43: Wenn ich dann zu Hause klatschnass, meine Mutter und mein Handtuchbad war die Übergabe dessen manchmal mit der Frage verbunden ob uns denn nichts Besseres einfallen würde.
00:26:53: Und einmal soll ich geantwortet haben dass dies doch das Beste war was in den letzten Tagen geschehen war.
00:27:12: Die dritte letzte Geschichte also nicht für heute.
00:27:16: Kufladen.
00:27:19: Irgendwo hortete jedes von uns Kindern wichtige Schätze sei es in einer geheimen Dose oder an einem geheimen Ort, wobei geheim ein relativer Begriff war.
00:27:31: Wusste doch ein jeder und eine jede was die anderen in etwa um meist auch woauf bewarten.
00:27:37: denn neben dem Horten war ja auch das tauschen und handeln wichtige Tätigkeiten was da alles einen Wert besaß.
00:27:45: von reißfesten Schnüren über Messer klingen bis hin zu Angelhaken Letztrehe doch ursprünglich hochgehandelt verloren schnell an Wert, als wir bemerkten dass die flachen Teiche der Schiffgürtel gar keine Fische befanden.
00:28:01: Auf Baustellen sammelten wir glänzende Kupferträte und nach Silvester die Holzstäbe der abgebrannten Raketen, die sich vorzüglich als Pfeile umfunktionieren ließen.
00:28:12: Apropos Silvesta Natürlich gab es unzählige Knallkörper, auf welche die Erwachsenen ein scharfes Auge hatte damit diese nicht in falsche Hände gerieten.
00:28:22: Dennoch gelang es manchen langen Kinderfindern immer wieder das im Eifer des Gefechts der eine oder andere Knall-Körper in einer Kinderausentasche verschwand – oder eine Streichholzschachtel und mit viel Glück vielleicht sogar ein Feuerzeug!
00:28:40: Selbstreden kannten wir die Grenzen, unsere Grenzen ließen die Finger von den ganz gefährlichen Dingen wie den großen Böllern.
00:28:47: Knallfrösche oder knallerbsen erschienen uns zu harmlos.
00:28:52: Schweizer Kracher, die wir damals Piraten nannten hingegen genau richtig für manche sonderbaren Experimente im Winter als im Sommer.
00:29:03: Das war auch jene Zeit in welcher der Bauer dem Divise vor unserem Haus gehörte seine Kühe dort grasen ließ.
00:29:10: Als die Wiese abgegrast und die Kühe auf eine andere Wiese getrieben waren, war diese jedoch damit Kufladen übersät kaum zum Fußballspielen geeignet.
00:29:21: Deshalb kamen wir wahrscheinlich auf die Idee, all jene zu einem großen Haufen am Rande der Wiese zu schichten!
00:29:28: So weit so gut.
00:29:30: hätte nicht jemand danach auch die Idee gehabt?
00:29:33: ich beschwore meinen Vater lang und verzweifelt dass es nicht meine gewesen sei In diesen Haufen von oben ein Loch zu bohren, zwei Piraten zu zünden in das Loch fallen zu lassen und in Deckung zu gehen.
00:29:48: Der Plan funktionierte tadellos – der Knall war gewaltig und wir in Entfernung am Boden liegend in Sicherheit!
00:29:56: Der Kufladenhafen hatte sich wie erwartet aufgeläst, aufgelöst und über die Wiese und die Straße Wie aber nicht erwartet erhofft die Wand unseres Hauses verteilt.
00:30:07: Wir haben lange geputzt und geschrubbt.
00:30:23: Jetzt kommen noch drei Geschichten, die nächste Geschichte ist eine kleine Homage an meinen Religionsunterricht und trägt den Titel Die Abgesandten.
00:30:36: Kirchgänger waren meine Eltern keine.
00:30:40: Dass ich mich als Kind mit meinem Bruder an der Hand dennoch Sonntag für Sonntags in der Kirche einfand war wohl dem Umstand geschuldet dass meine Eltern daraus zweierlei Vorteile zogen.
00:30:53: Zum einen beschert ihnen der Gang, unser Gang in die Messe, einen kinderfreien Vormittag.
00:30:59: Wofür ich seit den Jahren meines Vaters seins vollstes Verständnis habe?
00:31:03: Zum anderen konnte durch die Anwesenheit meines Bruders um mir keine üble Nachrede entstehen, denn unsere Familie war er somit durch zwei Abgesannte
00:31:13: vertreten.".
00:31:15: Ob die Größe dieser durch Miniappordnung letztlich ausreichend war, um in der katholischen Dorfgemeinschaft des damals äußerst katholischen Ländler eine üble Nachrede zu entgehen vermag ich nicht zu sagen.
00:31:29: Abgesehen davon schien meinen Eltern sonst sehr um ein Königsein bemüht, der kinderfreie Vormittag ohne dies wichtiger gewesen sein als eine Nachreden will her vorm auch
00:31:41: immer.".
00:31:42: Denn noch zufriedener erschienen sie mir, wenn ich mit meinem Bruder nach der Messe auch noch den Gang in die Bibliothek der Pfarre antrat.
00:31:51: In welcher ist – zu meinem Erstaunen – die damals wahrscheinlich neu erschienene Reihe Wunder der Natur vom Timelife Verlag gab?
00:31:59: Von wohl von welchem jeden Band Seite für Seite
00:32:03: verschlangen?".
00:32:05: Naturgemäß hinterfragt man als Kind gewisse Umstände kaum.
00:32:09: So habe ich in jenen Jahren weder hinterfragt, weshalb ich mich mit meinem Bruder sonntags Eltern los aber mit all den anderen geschniegelten herausgeputzen Kindern unserer Gassia am Vorplatz der damals gerade erster Bauten und für die damalige Zeit architetonisch revolutionäre Kirche im Stadtteil Schoren einfand.
00:32:31: Noch hab' ich Sinn, Zweck und Ablauf der Messe hinterfrag'.
00:32:35: Eine erklärende Einführung in Aldas blieb mir von Seiten der Eltern vorenthalten und so kniet ich mich während der Messe nieder, wenn alle knieten.
00:32:45: Und erhob mich, wenn alles sicher hoben.
00:32:48: Rettender Trost war oft das es auch meinen Freunden so ergien.
00:32:53: Bemerkbar und am offensichtlichsten war das in den Religionsstunden.
00:32:58: Jene hielt in unserer Wort-Volkschule selbstverständlich der Pfarrer ab und eine seiner Lieblingsfragen war aus welchem Evangelium er vergangenen Sonntag gelesen habe.
00:33:10: War das eine Raterei?
00:33:13: Irgendwann bemerkten wir, dass nachdem Lukas und Markus öfters genannt wurden es sich um Bubennamen handeln musste Ernten aber Beantworten wie Paul oder Karl Forscher der verzweifelte Blicke des Pfarrers.
00:33:30: Bald erkannten wir auch, dass die Ministranten hier im Vorteil waren wenn auch sie nicht immer punktgenau die korrekte Antwort trafen.
00:33:40: War es unter dem Geheimnis des Weihraus auf die Spur zu kommen oder weil besagter Pfarrer für die richtige Antwort goldene Sternchen in ein Sammelheft verteilte.
00:33:51: jedenfalls beschloss sich mit zwei weiteren Freunden ministrant zu werden?
00:33:57: Während einer ersten Einführung auch das Singen eines Liedes in einer großen Gruppe übte, war der Pfarrer mit Tönen aus meiner Richtung nicht zufrieden.
00:34:11: Als ich danach lautlos mitsang, war er zufriedener und ich beschloss weder Ministrant zu werden noch die Geheimnisse des Verb des Weihraus erforschen zu wollen.
00:34:22: Bis heute singe ich auf Geburtstagsfeiern und am Lagerfeuer aber nur wenn die anderen lauter singen als
00:34:29: ich.".
00:34:40: Man wird größer, die nächste Geschichte heißt Gibraltar.
00:34:45: Mit zunehmendem Alter erweiterte sich der Radius unserer Abenteuer Konzentrischen Kreisengleich wuchs ja erst über das Dorf später über die Stadt hinaus.
00:34:57: Wesentlich beteiligt daran war das Geschenk zu meinem zwölften Geburtstag.
00:35:02: Ein nagelneues Rat der Marke Mars mit fünf Fünf Gängen Verwies der Marknahme vielleicht auf Begriffe wie unendliche Weiten oder Ferneplaneten war die Realität jedoch eine andere.
00:35:18: Gefühlt wog es das, was heute drei Räder gemeinsam wiegen?
00:35:24: Nichtsdestotrotz verhalf es mir mit anderen Freunden ganz andere Welten zu entdecken!
00:35:30: So fuhren wir an die Altarme des Reins Baden Fischten nachts in Klammer legal rufen Zeichen Dort, wo der Rhein in den Bodensee mündet nach Alen, strampelten uns über den Losenpass und durch das Schwarzes Tobel in dem Bregenzer Wald hinein.
00:35:47: Mit jedem Tritt in die Pedale so schien es mir, ließ sich auch zusehends das Land meiner Kindheit hinter mir.
00:35:55: Wir fühlten uns mächtig frei – und jedes bestandene Abenteuer feuerte uns dazu an, den Radius der bisherigen Kreise zu
00:36:04: erweitern.".
00:36:06: An den Rädern hatten wir Tachos angebracht und wir Wetteiferten, wer von uns mehr Kilometer sammeln könne.
00:36:13: Mein Tacho ging bei Kilometern stand fourtausend vierhundertzwanzig Komma drei in die Brüche.
00:36:19: das entspricht etwa der Distanz Dorm bin Gibraltar und Retour.
00:36:25: oft dachte ich mir später wäre er nicht in die brüche gegangen.
00:36:28: Ich hätte es sicherlich bis nach Afrika und zurück geschafft.
00:36:35: Wo aber liegt es, das Land der Kindheit von dem ich glaubte?
00:36:40: Ich ließe Stück für Stück hinter mir.
00:36:43: Viele Jahre später kam ich wirklich nach Afrika und danach noch viel weiter.
00:36:49: Aber trug ich jetzt nicht immer in mir mit jenes Land der kindheit?
00:37:06: Natürlich ist Dortmund ein Stück weit meine Heimat geblieben.
00:37:11: Ich glaube aber schon, dass ich zweihäimatlich oder vielleicht inzwischen viel heimatlich aufgewachsen bin.
00:37:18: Die letzte Geschichte die ich vorlese handelt von meiner sagen wir es mal zweiten Heimat.
00:37:26: sie trägt den Titel Geborgenheit.
00:37:32: Im Dorf an der Grenze zu Slowenien in welches mein Vater hineingeboren wurde war berufliche Zukunft ein ziemlich wager Begriff Und so versuchte ihren jungen Jahren sein Glück in der Vorarlberger Textilindustrie, die nach dem Krieg zu wirtschaftlichen Höhenflügen abhob.
00:37:51: Was wie schon erwähnt blieb – zeitlebensblieb war eine starke Verbundenheit mit den Orten seiner Herkunft.
00:37:59: Wille sich für uns Kinder meinen Bruder und mich?
00:38:02: In jährlichen Sommerurlauben in Kärnten manifestierte!
00:38:07: So wurden auch die Kärntner Seen und diese umgebenen Berge teil meiner Kindheit.
00:38:14: Berge, Täler Menschen allen voran mein Großvater.
00:38:20: wir schienen miteinander verbunden von Anfang an anders als ich mit anderen Menschen verbunden war.
00:38:27: diese Verbundeneid heute zu beschreiben fällt mir schwer.
00:38:31: es war mehr ein großes Gefühl.
00:38:33: das alles umschloss mich meine Ansprüche Träumereien und Ängste Und vielleicht ist das passendst die Wort dafür Eine Geborgenheit der Gesten, denn Rückblicken erschien mir mein Großvater kein großer Redner gewesen zu sein.
00:38:52: Er war ein einfacher Mann bescheiden zurückhaltend freundlich.
00:38:57: Ich kann mich nicht erinnern von ihm je ein böses Wort vernommen zu haben.
00:39:02: Seine Augensprachen Zuversicht Wärme Verständnis.
00:39:07: Von Beruf war er Schneider wohl einer der Letzten seines Standes.
00:39:13: Oft brachte er noch Arbeit mit nach Hause.
00:39:16: Ich sehe sie vor mir, diese für Kinderhände riesigen Scheren, deren scharfen Schnitte ich mit meinen Augen verfolgte.
00:39:24: Wie Labyrinthe erschienen wir seine mit Kreiden vorgezeichneten Schnitte auf den Stoffen.
00:39:30: Auf den Resten davon durfte ich Linien zeichnen und mit einer Schere verzwerge die Stoffe
00:39:36: zerteilen.".
00:39:37: Es fiel kaum ein Wort aber es gab ein großes Einverständnis das über allem lag.
00:39:44: Schwammalzuchen im Wald, schwarzbeeren sowieso.
00:39:48: ein in meiner kindlichen Hektik umgestoßener mit Beeren fast voller Eimer neben mir mein Großvater der sie sorgsam mit mir einsammelt.
00:39:57: kein Vorwurf nur eine Geschichte darüber wie dankbar wohl die Ameisen sind wenn wir nicht alle finden.
00:40:07: eines Tages ging er beim schwammalsuchen verloren verirrte sich im Wald und kam erst mitten in der Nacht heim.
00:40:14: Meine Angst um ihn war unbeschreiblich, fester, klammerte ich mich an seine Hand bei den nächsten Spaziergängen – die Wärme seiner Hand!
00:40:25: Wie das Wasser des Wörtersees im August.
00:40:28: Dort schwammen wir, mir scheint dort habe ich Schwimmen gelernt.
00:40:32: Dort, im Klagen vor der Strandbad besaß er eine dieser Unzähligen über die Wiese hinweg verstreuten
00:40:38: Kabinen.".
00:40:40: Mir schien es nicht ungewöhnlich, dass mein Vater Großvater ein spezieller Badegast war.
00:40:45: Der Privilegin-Genuss!
00:40:47: Ich hätte ihm auch einen Schloss am Wörtersee geschenkt, doch wahrscheinlich hatte abgewunkenen.
00:40:52: sein Garten ging ihm über alles.
00:40:56: In diesem Hals ich mit meinen kleinen Händen mit Beeren und Bohnen ernten – Stangenbohnen die man nur mithilfe einer Leiter erreichen konnte.
00:41:06: sie schienen in den Himmel zu wachsen seine Vorlebe für Kaktäne, die mit ihrem stachlichen Wesen sogar nicht zu ihm zu passen schienen.
00:41:17: Wenige Tage vor meinem ersten Schultag dann ein Paket auskärnten darinnen eine von ihm geschneiderte Hose wie Jacke für diesen besonderen Tag.
00:41:28: noch immer besitze ich damit stolz in unserem damaligen Garten stehend ein Foto davon.
00:41:34: Jahre und Ereignisse davor unter nach verschwimmen.
00:41:38: oft Wollen sich nicht chronologisch ordnen?
00:41:41: Fotos gibt es kaum.
00:41:44: Wenige von meinem Großvater, keines von uns beiden gemeinsam.
00:41:49: Manche trägt man im Herzen.
00:41:52: Ein spezielles ich, achtzehn Jahre jung und stolzer Motorradbesitzer eine lange Fahrt vom Voradelberg nach Kärnten um meinen Großvaters zu überraschen.
00:42:03: Verwegen steigt er auf und wir um Runden sehen, fahren durch die Orte meiner Kindheit.
00:42:10: Wie mich bedanken für alles was war?
00:42:13: Bei einer Gärtnerei bleiben wir stehen!
00:42:16: Er soll sich eine Pflanze wünschen weil ich vielleicht so zu einem Teil seines geliebten Gardens würde.
00:42:23: Wir müssen jedenfalls ein wunderbares Bild abgegeben haben.
00:42:27: Ich, mit wehenden Haaren vorne auf dem Motorrad, mein Großvater mit einem riesigen im leuchten Moralsch blühenden Hibiscus unterm Arm hinten sitzend.
00:42:39: Es war unser letzter gemeinsamer Sommer.
00:42:42: Im darauffolgenden Winter ging er in eine andere Welt.
00:42:47: Wann wird man erwachsen?
00:42:50: Ich habe danach studiert Geschichte und vor mir tat sie ein anderes Bild vom Kernten auf als jenes, das ich aus Kindertagen kannte.
00:43:01: Es war eine Geschichte von Teilung, von Ausgrenzung, von Partisanen.
00:43:06: Ich erfuhr von den Wirren des Krieges und vom Ringen ums Leben in diesen Von Todesmärchen, Vom Urgroßvater der aus dem Konzentrationslager nicht heimkehrte.
00:43:19: Ich er fuhr dass mein Vater seinen richtigen Vater nie kennengelernt hatte.
00:43:25: Mein Großvater, somit nie mein leiblicher Großvatter war.
00:43:31: Aber was mich erst verwirrt zurückgelassen hatte, empfand ich Jahre später als ein Geschenk.
00:43:38: Mein Grossvater lehrte mich das es keiner Blutsbande bedarf um Geborgenheit zu geben.
00:43:44: Dies scheint mir sein Vermächtnis zu sein!
00:43:49: Wir können uns Großeltern und Schwestern oder Brüdersein von Mensch zu Mensch, über Generationen und auch über Grenzen hinweg.
00:43:57: Es ist letztlich das was uns zum Menschen macht wie auch ausmacht.
00:44:12: Vielen Dank fürs aufmerksame Zuhören.
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